Rotary Club Goslar-Nordharz spendet direkt in das Ahrtal

Melanie Koch, eine der Beauftragten für den Hilfsfond, nimmt die Spende von Günther Heuer entgegen


Der Rotary Club Goslar-Nordharz hat sich dem Hilfsfonds des Rotary-Club Adenau mit einer Spende in Höhe von 4000 Euro angeschlossen. Die Übergabe der Spende erfolgte durch den Schatzmeister Günther Heuer.

Er hielt sich eine Woche im Ahrtal auf, um neben der Spendenübergabe an den Aufräumarbeiten und der Koordination der Heulieferung durch das Landvolk Northeim mitzuwirken. Günther Heuer berichtete in einem Interview von den Eindrücken und Erlebnissen während des einwöchigen Besuchs im Ahrtal.

„Die Katastrophe ist unbeschreiblich, als wenn Außerirdische einen etwa 300 bis 500 m breiten und etwa 20 km langen Streifen verwüstet hätten“, so Günther Heuer. Die Flutwellen waren etwa acht Meter hoch, an engeren Stellen sogar 10 Meter. Er selbst kennt die Ortschaften Insul und Schuld sehr gut, weil er seit vielen Jahren im Nachbarort bei einem Freund zur Jagd geht. „Unsere Bäckerei ist weitestgehend zerstört, der Frische-Markt Thiesen ist schwer beschädigt und wird nicht wieder eröffnet“, sagt Heuer resigniert. Auch eine Pizzeria, in der im vergangen Jahr 170.000 Euro investiert wurden, ist halb weg geschwemmt und der Besitzer steht vor dem nichts. Diese Existenz vernichtenden Verluste trafen Günther Heuer sehr. Aber besonders hart traf es die Ortschaft Insul, dort stand eine historische Brücke, über die Günther Heuer wohl mehr als 100-mal gefahren ist. Er machte sich für den wieder Aufbau stark, aber der Rotary Club entschied, dass das Geld in der Region über den Rotary-Club Adenau direkt an Familien oder Wiederaufbau-Projekte zu verteilen sei.

Melanie Koch, eine der Hilfsbeauftragten für den Hilfsfonds, berichtete ihm bewegt, wie es im Ahrtal zugeht.

Alle Mitglieder des Rotary Clubs haben Aufgaben übernommen, um die Not im Ahrtal zu lindern. Sofort nach der Katastrophe wurde ein Hilfsfonds gegründet, bis heute sind dort über 650.000 Euro eingegangen. Am Anfang stand die schnelle und unkomplizierte Förderung derer im Vordergrund, die ihr ganzes Hab und Gut verloren hatten. So wurden zunächst über die Akuthilfe Einkaufsgutscheine verteilt und die nötigsten Dinge für das tägliche Leben der Betroffenen besorgt. Die Solidarität unter den Bürgern, den Verwaltungen der Ortschaften und den Spendern ist riesengroß. Manchmal zu groß, um die eingehenden Spenden schnell und zielgerichtet zu verteilen. Nach nunmehr vier Wochen tritt die Unterstützung in eine andere Phase ein. Nunmehr werden einzelne Projekte, die von anderer Seite nicht gefördert werden können, unterstützt. Als Beispiel nannte Melanie Koch Übergangswohnungen, die schnell malermäßig hergerichtet werden müssen oder Vereinseigentum, welches nicht aus anderen Mitteln ersetzt werden kann. „Wir stehen mit den Ortsbürgermeistern und vielen Vereinen im Kontakt, damit schnell und unkompliziert -aber nicht doppelt- geholfen wird,“ berichtet die Beauftragte des Rotary Hilfsfonds Melanie Koch.

Überall sind die Aufräumarbeiten in vollem Gange.

Günther Heuer legte selbst Hand mit an, räumte Keller mit aus und half beim Wegebau. Er war überrascht, wie hoch die Abfallberge sind. Die zerstörten Dinge werden nach Treibholz, Metall/Geräte, Erde/Schotter und Steinen getrennt, alles wird am Ortsrand auf riesigen Abfall-Bergen gelagert. „Auch wenn hier und da Kritik an staatlicher Hilfe aufkommt, ich bin beeindruckt von der Hilfe unseres Gemeinwesens. Schäden an Straßen wurden, wo es möglich war, schnell ausgebessert, die Bundeswehr baute an einigen Stellen Behelfsbrücken über die Ahr. Das THW und die Feuerwehr versorgen die Orte mit Frischwasser in 1000 Liter Behälter, welches dann noch abgekocht werden muss. Außerdem stehen überall auf den Straßen Dixi-Toiletten sowie Straßenlaternen mit großen Akku-Stromspeichern für die Helfer und Anwohner bereit.“ berichtete Günther Heuer. Und weiter: „Aber es drohen weitere Gefahren, so ist das Wasser schwer verseucht und ungenießbar, weil Öl und Chemikalien das Grundwasser verschmutzen oder die Abwasserleitungen zerstört sind und Fäkalien austreten. Das könnte zur Seuchengefahr werden.“

Zum wiederholten Male erreichten große LKWs mit jeweils 36 Rundballen Heu aus dem Bereich Einbeck/Northeim das Ahrtal.

Koordiniert wurde es vom Landvolk-Verband in Northeim, angestoßen durch den Jagdpächter Lohrengel, der den Bedarf für die Landwirtschaft vor Ort ermittelt hat, und nicht ohne einen gewissen Stolz sagt: „Die Verteilung klappte hervorragend. Die Landwirte helfen sich untereinander. Viele Heuballen werden in Nachbarorten, die nicht von der Katastrophe betroffen sind, zwischengelagert, bis die zerstörten Gebäude unten im Ahrtal wieder benutzt werden können.“ Nicht nur Futter sondern auch frisches Wasser muss täglich für das Vieh der Landwirte angeliefert werden. Die örtliche Feuerwehr erhält dabei intensive Unterstützung aus der näheren Region. So liefert beim Landwirt Klaesgen jeden Tag die Feuerwehr aus Bad Kreuznach mit einem Tanklöschfahrzeug etwa 20 m³ Frischwasser für bis zu 300 Kühe und Rindvieh an. „ Das Leben geht weiter“, sagte ein junger Katastrophenhelfer trotzig und gleichzeitig optimistisch, „aber es wird sicherlich eine Generation dauern, bis alles wieder normal ist.“

Fotos: Günther Heuer

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