Wanderung entlang des Grünen Bands


Seit 2019, dem 30. Jahrestag der Grenzöffnung, ist das Grüne Band in Sachsen-Anhalt nationales Naturmonument.

Innerhalb des Grünen Bands sollen wertvolle Lebensräume geschützt und als Biotopverbundsystem entwickelt werden, gleichzeitig soll die Erinnerung an die Deutsche Teilung aufrechterhalten werden. Die Stiftung Umwelt, Natur und Klimaschutz Sachsen-Anhalt, der Heimatverein und der Grenzerkreis Abbenrode hatten zur geführten Wanderung eingeladen. Beim Treffpunkt auf der Hofstelle Wehrstedt in Wennerode konnte Lothar Engler vom Grenzerkreis und Andreas Weihe vom Heimatverein Abbenrode 30 Teilnehmer aus dem Landkreis Harz und Goslar zur Wanderung begrüßen. Mit dem Bus ging es zum Startpunkt der Wanderung am Grenzdenkmal an der Landesgrenze Niedersachsen/ Sachsen-Anhalt. Dort erläuterte Lothar Engler bei Regen etwas über den Grenzerkreis, dann über die Entstehung des Grenzdenkmals bis zur Patenschaft mit dem Fallstein-Gymnasium und die Denkmalsfestlegung, außerdem wie die Info-Tafeln angeschafft wurden.

Auf den Tafeln stehen jetzt alle Informationen, die ein Betrachter des Denkmals braucht.

Auf einer Tafel erfährt der Betrachter etwas über drei Grenzereignisse, die sich hier ereignet hatten. Die Flucht des Raupenfahrers wird dann noch einmal auf der Wanderung entlang des Kiesteiches, nach etwa 200 m, behandelt. Da wartete Peter Puhle, ein Zeitzeuge von einem ihm unvergesslichen Tag.
Peter Puhle war von 1964 bis 2004 beim BGS in Goslar und auf dem Flughafen in Hannover beschäftigt. Am 13. November 1973 fuhr Peter Puhle mit seinen Kollegen Grenzstreife im Raum Wiedelah. Gegen 11:30 Uhr kam er mit seinen Kollegen an der Grenze an und sah hinter der Buschgruppe, wie die Raupe, welche auf dem Gebiet der damaligen DDR-Planierarbeiten durchführte, auf gleicher Höhe anhielt. Der Fahrer fiel durch Gesten auf und sagte, er habe einen Schlüssel verloren und müsse aussteigen. Er lenkte seinen beiden uniformierten Begleiter ab und sauste plötzlich über die Büsche in Richtung Kiesteich. Peter Puhle hatte sich mit seiner Waffe in Stellung gebracht, es kam von beiden Seiten zu keinem Schusswechsel, obwohl ein Vopo seine Kalaschnikow hochgehalten hat. Der Geflüchtete wurde zur Dienststelle nach Goslar gefahren und es erfolgten die ersten Befragungen der Beweggründe über die Flucht. Anschließend wurde er bei Karstadt neu eingekleidet, so sahen es die Verträge vor. Peter Puhle hatte den Flüchtling dann lange nicht mehr gesehen. Er wurde am selben Abend zum zentralen Aufnahmelager gebracht. Der gelernte Schlosser wurde dann nach München verlegt und vom MAD befragt.

Nach der Grenzöffnung erkundigte sich Peter Puhle nach dem Namen des Flüchtlings, er fuhr zu seinen Eltern nach Halberstadt, wo Peter Puhle auch den neuen Wohnort erfuhr.

Er hatte bei Bloom & Voss in Hamburg Arbeit gefunden. In den Jahren wurde sich immer drei bis viermal getroffen. Dem Flüchtling wurde auch die kopierte Stasiakte ausgehändigt. Im kommenden Jahr werden es nun 50 Jahre, dass es zu der spektakulären Flucht kam. Dann ging es für die Grenzwanderer weiter am Eckergraben bis nach Wülperode. Dort wurde die Kirche besichtigt. Weiter ging es die Straße hinauf zum Ortsausgang, unterhalb der Straße befindet sich der Wasserbehälter. Hier ist dem Hausmeister der Grenzkompanie Wülperode damals die Flucht gelungen. Oben angekommen wurde zunächst über den Kolonnenweg gewandert, dann weiter in Richtung Suderoder Park abgebogen. Da ging es zu dem Bunker, der den Grenztruppen als vorgelagerter Führungspunkt diente. Dazu gibt es einen Bericht in dem gerade erschienenen Buch von Miriam Fuchs, dort hatten auch der ehemalige Grenzer Wolfgang Roehl und Lothar Engler an dem Artikel mitgearbeitet.

Zum Abschluss ging es dann in Richtung Hof Wehrstedt. Dort erzähle Lothar Engler dann die Geschichte von den weggerollten Strohballen im Wenneroder Zipfel eines Landwirtes, die auf den Boden der DDR gerollt waren. Zum Abschluss ging es in das Heimatmuseum nach Abbenrode, wo Kaffee und Kuchen auf die Wanderer wartete. Hier gab es auch von der Harzer Wandernadel einen Sonderstempel.

Foto 1 + 2: Lothar Engler am Grenzdenkmal in Wülperode. Foto 3: Zeitzeuge Peter Puhle erzählt die Ereignisse vom 13. November 1973

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