100. Geburtstag von Gerhard Naumann


„Ich hatte ein bewegtes Leben, hatte viel Glück und konnte ein gutes Leben mit einer großen Familie führen“, so Gerhard Naumann, der am Samstag, 15. Mai 2021 seinen 100. Geburtstag in Goslar feierte.

Das Geburtstagskind hat in seinen 100 Lebensjahren fast die ganze Welt gesehen. Geboren ist er am 15. Mai 1921 in Leipzig, wo er auch aufgewachsen ist und die Schule besuchte. Dann erlernte er den Beruf des Schneiders, anschließend ging es zum Reichsarbeitsdienst, wo sehr schwere Arbeit auf Gerhard Naumann wartete: er musste Lehmboden für Gräben ausgeheben und in Richtung Halle arbeitete er an der Begradigung des Moores mit. Er war froh, als ihm ein Monat erlassen wurde. Die Rekrutenzeit führte Gerhard Naumann nach Zeitz. Der erste Marsch als Rekrut bei der „Schwerartellerie“ war für ihn sehr anstrengend, erinnert sich der Jubilar. Dann erlernte er das Funken, über 60 Geheimzeichen konnte er perfekt. Für fünf Monate ging es 1940 mit der Deutschen Wehrmacht auf verschiedene Truppenübungsplätze.

Unvergessen ist das persönliche Treffen mit Papst Pius XII.

Eines Nachts musste man von Sizilien aus mit dem Schiff an Malta vorbei in Richtung Tripolis nach Nordafrika übersetzen. Ein Jahr verbrachte er bei der schweren Artillerie als Funker. Dabei wurde er an der Hand und am Bein durch Granatsplitter schwer verwundet. „Diese Zeit in der Wüste hat mich geprägt, weil viele Freunde sterben mussten“, so das Geburtstagskind mit trauriger Stimme. Wegen der schweren Verletzung wurde er zum Hauptverbandsplatz nach Süditalien in das Lazarett zur Pflege geflogen. Später ging es an den Tegernsee, über zwei Jahre verbrachte er im Krankenlager. Dabei lernte Gerhard Naumann seine spätere Ehefrau kennen, sie arbeitete dort als Lernschwester beim Roten Kreuz.

Sie heirateten 1944 am Tegernsee und bezogen eine Wohnung in München.

Es kamen zwei Töchter zu Welt, wovon eine schon sehr früh verstarb. Nach dem Krieg besuchte Naumann die Bekleidungsakademie in München und machte seinen Schneidermeister. Ab 1947 arbeitete er bei der heute noch renommierten Max Dietl-Maßschneiderei und später bei Lodenfrey in München. „Odermark in Goslar mit damals schon 1000 Beschäftigten und 12 Filialen suchte 1964 gute Leute,“ so Gerhard Naumann. Er zog mit seiner Familie nach Goslar in das Haus in die Bürgermeister-Papen-Straße. Als Modelleur setze er sich mit seinem Charm durch und hatte bei Odermark eine Spitzenposition. Er war in vielen Städten unterwegs, von Paris bis Mailand, bis er 1986 in Rente ging.

Vor 15 Jahren verkaufte er das eigene Haus und zog in die Innenstadt.

Mit seiner Lebensgefährtin besuchte er die ganze Welt, inkl. China, Südindien und New York. Seine Wege führten ihn aber auch in viele europäische Länder und natürlich auch nach Bayern.
„Ich habe mich immer sportlich bewegt, heute mache ich noch regelmäßig jeden Morgen zehn Minuten Gymnastik. Tischtennis war sein großes sportliches Hobby. Er spielte beim TSV Milbertshofen und liebte das Eisstockschießen. Bereits als Kind ging er schon zum Angeln, hat Skat gespielt und auch als Schachspieler war er erfolgreich, in England konnte er sogar einen Pokal holen. Im Behindertensportverein wurde jede Woche Gymnastik betrieben, geschwommen und gewandert. Das musste er vor zehn Jahren aufgeben, denn es war immer schwierig dort hinzukommen.
Bereits seit 1974 ist Gerhard Naumann Witwer. Seine spätere Lebenspartnerin verstarb im Jahr 2017. Viele Jahre hat sich der Jubilar selbst versorgt, aber seit Weihnachten 2020 wird er durch eine Pflegekraft betreut.

Gefeiert wird wegen der Corona Pandemie in Etappen, neben Tochter und Schwiegersohn werden vier Enkel und sechs Urenkel erwartet.

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