Ostermarsch Goslar – Abrüsten statt Aufrüsten

Ostermarsch Goslar

Seit mehr als 50 Jahren demonstriert die Friedensbewegung zu Ostern bundesweit für Frieden und Abrüstung

Unter dem Motto „Abrüsten statt Aufrüsten“ fand der diesjährige Goslarer Ostermarsch von der St. Benno-Kirche in der Marienburger Straße 35 in Jürgenohl zur ehemaligen Bundeswehr-Kaserne „Fliegerhorst“ unter den bekannten Corona-Auflagen statt. Genau 40 Teilnehmer hatten sich bei bestem Sonnenschein auf dem Vorplatz der Kirche eingefunden.

Der Organisator des Ostermarsches, Karsten Färber, eröffnete die Redebeiträge und betonte, dass die bundesweite Friedensbewegung einschließlich des Friedensbündnisses Goslar mit dem Ostermarsch 2021 ein Zeichen für friedensschaffende Maßnahmen setzten. Als „Hausherr“ folgte als nächster Redner der katholische Pfarrer Dirk Jenssen. Er trug einen Palmzweig vom Palmsonntag in der Hand, diese Idee kam dem Pfarrer, als er an den heutigen Ostermarsch dachte. Mit dem Esel zieht Jesus in Jerusalem ein, das war eine große Irritation für alle Leute. Denn Herrscher ziehen mit Schlachtrössern oder heute würden wir sagen mit Panzern ein. Es ist eine alte biblische Verheißung, dass der Friedenskönig anders ist als alle anderen, die den Frieden mit Gewalt erzwingen wollen. „Wir stehen hier an St. Benno ganz bewusst auch als Christen. Wir haben gerade am vergangenen Palmsonntag den friedlichen Einzug Jesu in Jerusalem gefeiert und danach haben sie ihn fertig gemacht und umgebracht“, so der Pfarrer. “So kann auch die Erinnerung an unseren Fliegerhorst hier vor Ort integriert werden in eine zukünftige Friedensarbeit, wo alle Parteien miteinander reden und Wege zu finden, um die Spirale der Aufrüstung gegen den anderen zu brechen“, der Pfarrer zum Abschluss.

Der Ostermarsch setzte sich in Bewegung, angeführt von Karsten Färber und Pfarrer Dirk Jenssen mit einem großen Transparent Goslarer Ostermarsch für Frieden und Abrüstung, begleitet von Mitgliedern des Goslarer Friendesbündnis, der Partei Die Linke, der Basisgruppe Linksjugend Goslar, des DGB und der Grüne Jugend. Ziel war der ehemalige Fliegerhorst mit Bundeswehrkaserne, der nun zu einem Gewerbe- und Wohngebiet umgebaut wird. An verschiedenen Stationen gab es Redebeiträge, diese griffen die Themen ehemalige Bundeswehrkaserne, die Friedenserziehung und Abrüstung auf.
Am Kreisel gab es zwei Ansprachen, die erste von Erika Hauff-Cramer, sie erinnerte an den Fliegerhorst vor 1945. Am 15. Januar 1934 erklärte der Reichsbauernführer und Leiter des Reichsnährstandes Richard Walther Darré Goslar zum Sitz des Reichsnährstandes, zwei Jahre später erhielt die Stadt die offizielle Bezeichnung Reichsbauernstadt. Goslar war von nun an bis zum Kriegsende Ort der Reichsbauerntage, an denen der nationalsozialistische Staat seine Blut- und Bodenschwüre praktizierte. Im August 1944 wurde bei einem großen Angriff der Fliegerhorst nur wenig zerstört, die Infrastruktur ist stehen geblieben. Der Wohnraum war sehr gering, in der Breslauer Straße wurden die ersten Wohnungen gebaut. Während der SS-Zeit wurde der Rammelsberg wieder als Erzbergwerk genutzt.
Über den Fliegerhorst nach 1945 sprach Bernd Krage-Sieber: so übernahmen die Briten Ende Juni 1945 das Kommando über Goslar und den Fliegerhorst. Nach der Gründung der Bundeswehr 1955 und den Abzug der Briten wurde der Fliegerhorst Standort der neuen Bundes-Luftwaffe. Über die Jahre wurden 300.000 Rekruten ausgebildet. Mit der Wiedervereinigung 1990 und der Auflösung des Warschauer Vertrags-Bündnisses verlor der Fliegerhorst seine strategische Daseinsberechtigung und wurde 2009 aufgelöst.

Nächstes Ziel war die Walter Krämer Straße. Die Schülerinnen Lisa Bartsch und Jule Tiedemann vom Christian-von-Dohm-Gymnasium, 12. Klasse Geschichts-Leistungskurs, verlasen Zitate zum Gedenken an Walter Krämer, die sie im Unterricht erarbeitet hatten. Der Namensgeber der Straße, die Oktober 2019 eingeweiht wurde, war antifaschistischer Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus und wurde am 6. April 1941 in Goslar von den Bewachern ermordet. Er rettete vielen Häftlingen im KZ Buchenwald das Leben.
Natig Mammandov von der Basisgruppe der Linksjugend Goslar berichtete, dass er vor sechs Monaten in Aserbaidschan zu Besuch war. Fünf Tage vor seiner Abreise hatte der Krieg begonnen, dieser dauerte 44 Tage. In der Nacht von 21 Uhr bis 6 Uhr Früh gab es eine Ausgangssperre und das Internet war nicht zugelassen. „Lasst uns doch in Frieden leben“, so Natig Mammandov.
Am Mittelweg gab es eine Abschlussansprache vom Organisator Karsten Färber. Er selbst ist in Jürgenohl am Zaun der ehemaligen Bundeswehrkaserne aufgewachsen. Wenn dort Fußball gespielt wurde und der Ball über den Zaun flog, mussten alle warten bis die Wache vorbeikam, denn die Kaserne war mit Nato-Draht gesichert. Später hat er den Kriegsdienst verweigert und Zivildienst im Falkenheim Asse bei Wolfenbüttel geleistet. Deutschland ist keine friedliche Wirtschaftsmacht, sondern rüstet weiter nach NATO-Beschluss in Richtung 2,5% des Bruttosozialprodukt auf. Das sind 70 Milliarden Euro – mehr als der Rüstungsetat von Russland. Allein die für 45 atombombenfähige F-18-Kampfflugzeuge sollen 7,5 Milliarden Euro ausgegeben werden. Die Miete der israelischen Kampfdrohnen kostet eine Milliarde Euro. “Wenn wir ohne Rüstung leben würden, dann könnten wir uns einen Sozialstaat leisten, der seinen Namen verdienst und soziale Gerechtigkeit garantiert. Übrigens ist das Militär der größte Klimakiller auf der Erde. Alleine die US-Armee verbraucht so viel Energie wie ganz Afrika zusammen. Wir fordern: Abrüsten statt Aufrüsten und Frieden statt Krieg.”

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