Braunkohlwanderung des Heimatmuseumsvereins Vienenburg e. V.

Braunkohlwanderung

Rundgang über das Klostergut Wöltingerode mit Hans- Jürgen Stanikowki.


Nach coronabedingtem Ausfall im vergangenen Jahr wurde wieder eine traditionelle Braunkohlwanderung des Heimatmuseumsvereins für alle interessierten Bürgerinnen und Bürger veranstaltet.

Sie führte sie in diesem Jahr in neunter Auflage nach Wöltingerode, das 1929 Teil von Vienenburg wurde. Das Vereinsmitglied und der in Wöltingerode geborene Hans-Jürgen Stanikowski führte durch das gesamte Gelände und erläuterte die Geschichte des Klosterguts. Er berichtete so manches aus seiner Jugendzeit und auch die eine oder andere Anekdote wurde zu Gehör gebracht und sorgte für viel Heiterkeit.
Bis kurz vor Beginn des Rundgangs gab es Dauerregen, trotzdem waren 40 Personen am Hauptportal des 1174 gegründeten Klosters erschienen.

Das Klostergut Wöltingerode ist das älteste Zisterzienser Kloster in Niedersachsen.

Auf dem hiesigen Klostergut befand sich die Burg der Grafen von Wöltingerode. Die Grafen aber verlegten ihren Sitz im 12. Jahrhundert in den Ambergau, dort erbauten sie die Burg Wohldenberg. Das Kloster Wöltingerode wurde im Jahr 1809 aufgehoben, seither steht das Klostergut unter der Verwaltung der Klosterkammer in Hannover.

Vom Hauptportal aus gesehen blickt man zum Herrschaftshaus und zur Klosterkirche sowie zur Gärtnerei im Hintergrund. Unterhalb des Gotteshauses wird der Veredlungsprozess der edlen Getränke abgeschlossen. Links vom Hauptportal befand sich alles was mit den Kühen zu tun hat: die Wohnungen des Personals, wie Schweizer, Melker und Pfleger. Am Ende des Kuhstalls sorgte eine mittels Wasserkraft aus dem Mühlgraben betriebene Schrotmühle dafür, das Getreide für Mensch und Tier zu verarbeiten. Der Kuhbestand lag bei 200 Milchkühen und eine große Anzahl an Kälbern, Rinder und Bullen.
Auf der rechten Seite befanden sich eine Poststelle und Wohnungen. Nach dem Großbrand 1676 gründete der damalige Propst eine Brennerei auf dem Klostergut. Neben der Brennerei befand sich der Pferdestall, es gab 42 Paar Gespanne, zwei Bulldogs und eine Raupe zur Bewirtschaftung. Im Anschluss gab es die Stellmacherei, eine Schmiede und einen Bulldogschuppen. Der Eingang des Pferdestalles war jeden Morgen die Sammelstelle aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um die für den Tag anstehenden Arbeiten zu besprechen. Jeder wusste, was, wo und wohin auf den vielen Ackerschlägen gearbeitet werden musste.
Auf dem Schweinehof wurden viele Eber gehalten, die für den Nachwuchs sorgen sollten. Etwa 250 Sauen hatten einen gemeinsamen Stall und kümmerten sich um die Ferkel. Zwischen Schweinehof und Schäferhof befindet sich das heute wunderschöne Schäferhaus. Schäfermeister Willi Krüger kümmerte sich um etwa 1000 Schafe, die auf zwei Herden aufgeteilt waren. Die ganze Tierzucht ist schon lange Vergangenheit. Von 1918 bis 1990 befand sich in den Klostergebäuden die „Reifensteiner Hauswirtschaftsschule“. Bis etwa 1960 hatten 80 Familien auf dem Klostergut gewohnt und teilweise gearbeitet. Heute sind noch zwei Mitarbeiter für die Landwirtschaft zuständig.

Nach dem etwa 1,5 Stunden dauernden Rundgang ging es mit 36 Personen zum deftigen Braunkohlessen mit den dazu gehörenden Spezialitäten und gemütlichem Beisammensein. In diesem Jahr erstmalig im Vienenburger Sportheim an der Knickwiese. Viel Stunden saß man zusammen, denn nach längerer Pause hatten sich alle viel zu erzählen.

Heimatmuseum Vienenburg und Wöltingerode

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