Gedenktafel erinnert an den Grenztoten Walter Otte

Otte

v.l.n.r. Hans- Wilhelm Bothe, Lothar Engler, Udo Künstel, Frank Freyer, Lutz Schröder


Am 11. Juni 1976 gegen 23 Uhr wurde der Bad Harzburger Walter Otte auf dem Bahndamm Eckertal vor dem Grenzzaun erschossen

Ein vom Grenzerkreis Abbenrode aufgestelltes Gedenkkreuz mit einer Hinweistafel erinnert seit Mittwoch an diesen Vorfall

An der Einweihung nahmen die Beauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Frau Birgit Neumann-Becker, Bad Harzburgs Bürgermeister Ralf Abrahms sowie von der Gemeinde Nordharz Bernd Feuerstark teil.

Walter Otte stammte aus Niederschlesien und wohnte in Bad Harzburg. Otte versuchte mehrfach über die Grenze im Raum Eckertal zu gelangen, wurde von den Organen der DDR festgenommen, verurteilt und wieder in den Westen abgeschoben. Gelernt hatte Otte nichts, er arbeitete gelegentlich bei Kohlenhändler Trull. Nachdem seine Eltern verstorben waren, suchte er Halt bei Trinkern in den Kneipen von Bad Harzburg sowie im Eckerkrug. Immer wenn er aus dem Eckerkrug kam, zog es ihn auch an die Grenzanlagen am Bahndamm Eckertal und rief oft: „Hallo Freunde oder Freunde, wo seid ihr?“ Unter den Grenzern der Kompanie Stapelburg war der Bad Harzburger als lästig, aber ungefährlich bekannt.

Wenige Wochen vor dem tödlichen Vorfall wurden im Raum Eckertal mehrfach mutwillig Lampen an den Grenzsicherungsanlagen zerstört. Das führte bei den Grenztruppen zu „Sondermaßnahmen“. Vermutlich las Otte die Zeitungsmeldungen im Mai 1976 nicht, die vom Tod Michael Gartenschläger berichteten. Die Anschläge auf die Grenzsperranlagen führten bei den Grenztruppen dazu, dass Otte zur „Gruppe Gartenschläger“ gehören könnte.
Am 11. Juni 1976 lief Walter Otte gegen 23 Uhr den Bahndamm bis zu den Grenzsperranlagen entlang. Sein Geld hatte er im Eckerkrug vertrunken. Als er am auf den ersten Grenzzaun stieß, rüttelte er an diesem und rief: „Hallo Freunde, hier bin ich…helft mir rüber!“. Grenzposten meldeten den Vorfall und zwei Grenzaufklärer gingen zu dem „Provokateur“, um ihn festzunehmen. Stabsfeldwebel Erwin G und sein Posten Unterfeldwebel Peter D. näherten sich Otte von hinten. Was dann geschah, lässt sich nicht eindeutig rekonstruieren. Fakt ist, Otte wurde von Erwin G. erschossen, geborgen, und nach Ilsenburg verbracht, wo er verstarb.

Später wurde Walter Otte in einem Park in Magdeburg mit einer Pistole in der Hand abgelegt und als unbekannter Toter gefunden, obduziert und eingeäschert. In Bad Harzburg wurde Otte, weil er sich von seiner restlichen Familie abgesagt hatte, nicht vermisst.

Das Landgericht Magdeburg sah es am 30. Juni 2000 als erwiesen an, dass Erwin G. trotz erkennbarer Harmlosigkeit Ottes Gebrauch von der Schusswaffe den Tod des Grenzgängers in Kauf nahm. Erwin G. wurde wegen Mordes verurteilt. In einem Revisionsverfahren wurde das Strafmaß 2001 auf 3 Jahre reduziert.

Für Frau Neumann-Becker sei die Einweihung der Gedenktafel ein „trauriger Anlass“, dennoch sei es wichtig auch an die Grenzopfer zu erinnern. Sie wies darauf hin, dass das Land Sachsen-Anhalt eine digitale Karte über ORTE DER REPRESSION herausbringen wird. Über einen QR-Cod wird man dann alle Grenzopfer mit dem Ort des Geschehens finden. Sie dankte dem Grenzerkreis Abbenrode für ihren wichtigen Beitrag „Gegen das Vergessen.“ Lothar Engler vom Grenzerkreis berichtete, dass die Mitglieder des Grenzerkreises neben den vielen Info-Tafeln über die ehemalige Grenze nun auch einem Grenzopfer einen Namen geben konnten. Bad Harzburgs Bürgermeister Abrahms wohnte einige Jahre auf der Papierfabrik in Eckertal. Da man die Kohle von Kohlenhändler Trull bezog, könnte es durchaus sein, dass er Walter Otte persönlich kannte.

Die Gedenktafel sei ein Mahnmal für nachfolgende Generationen, führte Bernd Feuerstack von der Gemeinde Nordharz aus. Sie passe in das Konzept eines möglichen kleinen Grenzmuseums in Stapelburg.

In dem Buch: – Die Todesopfer des DDR-Grenzregimes an der innerdeutschen Grenze 1449-1990 – ist die Geschichte von Walter Otte auf mehreren Seiten nachzulesen. Sie ist eine von insgesamt 327 Biografien von Todesopfern aus Ost und West. Das biografische Handbuch wurde von Klaus Schroeder und Jochen Staadt herausgegeben.

Homepage Abbenrode

Text und Bilder: Lothar Engler, Grenzerkreis Abbenrode und Helmut Gleuel

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