Kriegsende in Liebenburg – Vortrag von Alfred Fricke

Kriegsende in Liebenburg

Vortrag über das Kriegsende in Liebenburg im Gemeindesaal

Zu dem Vortrag Kriegsende in Liebenburg mit Alfred Fricke vom geschichtlichen Arbeitskreis hatte die Lewer Däle in Kooperation mit der ev.-luth. Kirche St. Trinitatis eingeladen. Pastor Dirk Glufke begrüßte als Hausherr im Gemeindesaal 41 Zuhörer, er wies darauf hin, dass die Hygienevorschriften der Landeskirche eingehalten werden müssen.

Am 10. April 1945 starben bei Gefechten vor Liebenburg neun junge Menschen

Im April 2020 jährte sich das schreckliche Ereignis zum 75. Mal. Durch Befragung von Zeitzeugen sind einige bisher unbekannte Einzelheiten bekannt geworden. Alfred Fricke stellte bekannte und neuere Erkenntnisse vor. Die Veranstaltung sollte bereits im Frühjahr stattfinden, aber durch die Corona-Pandemie musste der Termin abgesagt werden.

Der 10. April in diesem Jahr war Karfreitag, an diesem Tag erinnerte der Pastor in einer Videokonferenz an das sinnlose Sterben.

Alfred Fricke ist in Liebenburg aufgewachsen und war neun Jahre alt, als der Krieg nach Liebenburg kam

Kriegsende in LiebenburgAm Frühlingsmorgen des 10. April 1945 gab es einen besonders schönen Sonnenaufgang. Die von Berlin kommende Einheit zur Panzerbekämpfung hatte sich zuerst im Ort am Eingang zur Domäne hinter der Sparkasse und den umliegenden Gebäuden mit ihren Panzerfäusten in Stellung gebracht.

Hier sollten die aus Richtung Othfresen kommenden Panzer bekämpft werden. Wenn die Panzerbekämpfung dort stattgefunden hätte, wären in dem Bereich sicher alle Häuser zerstört worden. Die Führung dieser Einheit unter Leutnant Förster wurde von einigen Liebenburger Männern gebeten und aufgefordert, ihre Stellung außerhalb des Dorfes zu beziehen und so das Dorf zu verschonen.

Nach einiger Diskussion ging die Einheit im Bereich westlich der Badeanstalt in Stellung

Durch die Verlegung hatte die Einheit aber keine Zeit ihre Stellung auszubauen. So standen sie den angreifenden Panzern schutzlos gegenüber und hatten hohe Verluste. Dies sind Angaben von den Soldaten Heinz Renno und Ernst Gaupmann, beide kamen auch zum Gedenkgottesdienst am 10. April 2005 zur Kranzniederlegung.

Liebenburg hatte damals fast 1000 Flüchtlinge und Ausgebombte aufgenommen, alle Häuser waren bis auf die letzte Bodenkammer belegt. Da kam der Befehl an die Kampfeinheiten, sich aus dem Dorf herauszuziehen. Eine richtige Entscheidung, die vermutlich das Leben vieler Liebenburger gerettet hat.

Mit spärlicher Bewaffnung hatten die Soldaten am Ortsausgang Richtung Othfresen im offenen Gelände gegen die anrollende Materialwalze der Amerikaner keine Chance. Sieben von ihnen fanden den Tod. Am Abend des 10. April war die Front bereits in Richtung Neuenkirchen vorgerückt. Mit Frau Hussing und Frau Beckmann fanden auch zwei Liebenburgerinnen an diesem Tag den Tod.

Die Trauerfeier fand unter großer Anteilnahme statt, Luise Bock hatte alles schriftlich als Erinnerungen festgehalten

Der damalige Pastor Wiesenfeld schloss seine Predigt mit den Worten: „Nun liegen sieben junge Menschenkinder in Liebenburgs Erde, die vor Tagen noch hoffnungsvoll im Leben standen”.

Von drei Soldaten konnten die Angehörigen benachrichtigt werden. Eine Identifizierung war bei den anderen vier Soldaten nicht möglich, die Familien haben nie erfahren, wo diese begraben sind.

In der Lindenstraße sollte auch noch eine Panzersperre aufgebaut werden, diese wurde aber nicht mehr fertig gestellt

Mit Pfeilen oberhalb der Kellerfenster wurde an den Häusern auf Luftschutzkeller hingewiesen. Am Ende der Poststraße in Richtung Othfresen wurde noch versucht, einen Luftschutzbunker zu bauen, hier schaffte man aber nur einen Meter weit in den Berg zu baggern.

Bisher war Alfred Fricke nicht klar, wer genau die Liebenburger Männer waren, die durch ihr persönliches, mutiges Eingreifen wohl verhinderten, dass ein großer Teil von Liebenburg vernichtet worden wäre. Es waren Hofmeister Heinrich Heine, der Domänenpächter, der gleichzeitig den Rang eines Majors hatte, Walter von Schintling Horny und Schumachermeister Richard Fütterer. Der Schwiegersohn von Heinrich Heine, Erich Klischat, wusste von seinem Schwiegervater, dass es die drei Männer waren, auch Walburga Arth, die Tochter von Richard Fütterer kann dies bestätigen.

Alfred Fricke verlas noch eine Tonbandaufnahme von Adolf Rühe

Adolf Rühe wurde mit 17 Jahren zur SS Panzer Division Hitlerjugend eingezogen. Er musste mit 16 Jahren zum Pflichtapell nach Schladen und wurde gemustert. Kurz nach seinem 17. Geburtstag wurde er Soldat bei seiner Wunscheinheit.
Nach drei Jahren, 1948, durfte er das erste Mal nach Hause schreiben. Nach fünf Jahren Gefangenschaft war er am 6. Januar 1950 wieder zu Hause. Beim ersten Schützenfest 1951 wurde Adolf Rühe Schützenkönig.

Auch in Othfresen sind sieben Soldaten beerdigt worden.
Im 2. Weltkrieg sind insgesamt 91 Liebenburger gefallen.

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