Eisenbahnmuseum: „Probetag“ war voller Erfolg

Eisenbahnmuseum Vienenburg

Klaus Reiter am Fahrkartendrucker


Es liegen vier trostlose Monate hinter dem Eisenbahnmuseum im ältesten Bahnhof von Deutschland

Ab dem 14. März musste das Museum wegen der Corona Epidemie geschlossen werden. Nun wurde das Museum wieder probeweise am Donnerstag, 16. Juli für die Besucher geöffnet. In den vergangenen Wochen gab es auch keinen Besuch von Schulklassen, Projektgruppen, Kindergärten und Tagesstätten.

Das Museum darf nur mit Mundschutz betreten werden und im Vorderbereich sowie an der Modellbahn dürfen sich je vier Besucher aufhalten (eine Familie darf bis zu acht Personen auf einmal in das Museum gehen) und der Sicherheitsabstand muss eingehalten werden.

Der Leiter des Eisenbahnmuseums Helmut Moritz sowie der Mitarbeiter Klaus Reiter waren sehr erfreut, dass am ersten Eröffnungstag gleich zahlreiche Besucher aus Frankfurt, Stuttgart, Kaiserslautern und Dresden begrüßt werden konnten. Alle Besucher machen Urlaub im Harz sowie in Goslar und Bad Harzburg.

Empfangen werden die Gäste wie in einem früheren historischen Bahnhof, hier werden die unterschiedlichen Fahrkarten für Erwachsene und Kinder ausgehändigt. Die Edmondsonschen Fahrkarten werden von einem Automaten aus dem Jahr 1938 gedruckt, dieser stammt vom Bahnhof Langelsheim.

Alle Besucher erhalten persönlich eine Führung durch das Museum, natürlich mit Abstand und Mundschutz. Hauptatraktion ist eine H0 Modelleisenbahn in einem separaten Raum, die den Vienenburger Bahnhof im Zustand der 60er Jahre zeigt. Hier fahren Züge, die eine längst vergangene Zeit wiederspiegeln.

Diese Anlage ist sehr reparaturanfällig, hier sind die beiden Mitarbeiter froh, dass sie von Talia Brauner offiziell Unterstützung bekommen. Talia ist ein 9-jähriges Mädchen und sie bekundet großes Interesse für die Modelleisenbahn.

Auf der 100 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche wird viel über die regionale Eisenbahngeschichte gezeigt

Neben Gerätschaften aus längst vergangener Zeit findet hier der Eisenbahnliebhaber auch den Nachbau einer Blockstelle und Schranke, Uniformen aus der alten Deutschen Bundesbahn Zeit, verschiedene Signale und Techniken aus den Jahren 1938 bis 1958.

In den Vitrinen sind verschiedene Lokomotiven zu bewundern, die alle irgendwann schon einmal durch Vienenburg gefahren sind. Durch den „Russland Feldzug“ sind viele Loks in Richtung Halberstadt gefahren oder zum Dampflockausbesserungswerk nach Braunschweig.

Aus den 20er Jahren gibt es Schienen und Gleisbautechnik, alles mit Hand zu bedienen, von der Deutschen Reichsbahn. Außerdem Uhren- und Bürotechnik sowie ein Fernschreiber aus den 60er Jahren, dem Vorläufer des FAX Gerätes. Vorhanden ist auch noch die Mutteruhr, sie steuerte alle Uhren auf den Bahnsteigen.
Sämtliche acht Stellwerke, rund um Vienenburg sind auf Fotos zu sehen und das Reiterstellwerk in der Osterwieckerstraße gibt es als Modell. Heute wird alles von einem Fahrdienstleiter im Bahnhofsgebäude geleitet.

Auf dem Außengelände des Museums befindet sich eine Sammlung von sechs historischen Eisenbahnfahrzeugen und einer Kleinbahn. Bedauerlicherweise gammelt die Anlage vor sich hin, denn die Verantwortliche VEV Vienenburg ist nur noch für Sonderfahrten zuständig.

Seit dem 3. Februar 2017 hat sich rund um das Eisenbahnmuseum viel verändert, an diesem Tag verstarb der Lenker und Denker und 1. Vorsitzende von Vienenburg Tourismus, Peter Fischer. Seitdem muss das Eisenbahnmuseum selbst Werbung machen. Eine Wiedelaher Werbefirma gestaltet eine Vienenburg Info – Broschüre, darin wird Werbung für das Eisenbahnmuseum gemacht. Außerdem ist Werbung im ADAC Urlaubsheft zu sehen, aber von der Tourismus Goslar kommt leider keine Unterstützung.

Geplant ist ja, dass in den kommenden Jahren das Vienenburger Heimatmuseum in die unteren Räume des Bahnhofes einzieht. Die dort befindliche Bücherei soll dann in das ehemalige Rathaus, in dem sich die Polizei und das Bürgerbüro der Stadt Goslar befinden, umziehen.

Den beiden Mitarbeitern Helmut Moritz und Klaus Reiter ist die Liebe für die Eisenbahn in die Wiege gelegt worden

Schon der Vater von Helmut Moritz war bei der Bahn und dieser ist als Hausgeburt im Altenauer Bahnhof zur Welt gekommen. Von Altenau ging es in den Bahnhof Clausthal-Zellerfeld, dann weiter nach Bad Harzburg und seit 12 Jahren wohnt Helmut Moritz im historischen Vienenburger Bahnhof.
Auch Klaus Reiter hat in Goslar bei der Deutschen Bundesbahn gearbeitet.

Seit einiger Zeit ist das Museum mittwochs nicht mehr geöffnet und es werden auch dringend Mitarbeiter für den Museumsdienst von Donnerstag bis Sonntag gesucht. Wenn beide nicht mit „Leib und Seele“ so aktiv dabei wären, gebe es noch weniger Öffnungstage. Reichtümer gibt es ja auch keine zu verdienen, lediglich eine 50 Euro Aufwandsentschädigung im Monat vom Fachbereich Kultur von der Stadt Goslar. Die 50 Euro umgerechnet auf die Stundenzahl ergeben 2,14 Euro pro Stunde. In den vergangenen vier Monaten gab es, weil das Museum geschlossen war, auch keinen Lohn für Helmut Moritz und Klaus Reiter.

Geöffnet ist das Eisenbahnmuseum von Donnerstag bis Sonntag von 15:00 bis 17:00 Uhr, der Eintritt beträgt für Erwachsene 3,- Euro und Kinder 1,50 Euro.

Info Eisenbahnmuseum

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